Wenn es mal nicht weitergeht

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Der Titel ist ein wenig doppeldeutig oder widersprüchlich je nach Betrachtungsperspektive. Natürlich geht auch heute wieder um das Thema Fotografie, im speziellen um die Porträt- und Aktfotografie. Die Fotografie bedeutet für mich den Menschen abzubilden. Dazu gehört den Menschen als ganzes zu betrachten. Der weibliche Körper für mich etwas sehr ästhetisches und sinnliches, um diesen entsprechend abzubilden braucht es viel Respekt und das nötige Mass an Feinfühligkeit. Ok, ein wenig handwerkliches Können gehört auch dazu. Und natürlich kann man bis auf das Handwerk den Rest auch weglassen, dann jedoch wird es rein zum Geschäft. Wenn ich irgendwann an diesem Punkt angekommen bin, dann fange ich an Stilleben oder Landschaften zu Fotografieren.

 

Nun kommen wir zum eigentlichen Thema. Immer wieder kommt es vor dass es in der Zusammenarbeit mit den Mädels einen Punkt gibt an dem es nicht weitergeht. Nach aussen hin ist die Stimmung weiterhin entspannt und es kommen auch gute Bilder dabei heraus. Jedoch stellt man bei der näheren Betrachtung der Bilder fest dass etwas fehlt, dass sich etwas verändert hat. Mal ist der Mund des Models leicht verkniffen oder eine Pose wirkt aufgesetzt. Sollte man dies feststellen, ist es ganz wichtig den Ursachen auf den Grund zu gehen. Aber gemeinsam, mir als Fotografen bringt es nichts wenn ich in meiner Kammer sitze und darüber grübel was denn falsch ist.

 

 

Eine Erklärung wäre nun dass man schon alles Fotografiert hat, dass man zuviel Zeit mit dem gemeinsamen Fotografieren verbracht hat. Hier Abhilfe zu schaffen ist einfach, ganz simpel eine Fotopause machen. Oftmals stecken jedoch ganz andere Dinge dahinter. So ist Nacktheit die bei den ersten Sessions, vom Model, als natürlich empfunden wurde nun etwas was dargestellt wird. Die Mädels mit denen ich arbeite sind keine Profis und stehen oftmals bei mir zum ersten Mal überhaupt vor der Kamera. Je mehr man also gemeinsam Fotografiert, desto höher wird der Anspruch den die Mädels an sich selber stellen. Dann beginnt das grosse Nachdenken während der Session und die Natürlichkeit ist weg. Was tun? Reden und die nächste Session planen! Und mal nicht auf Ergebnis fotografieren sondern die Lockerheit zurückholen. Gemeinsam zurück schauen wo denn der Punkt gekommen ist dass es „Arbeit“ wurde. Dorthin kann man zurück und neu starten. Die alten Wohlfühlklamotten rausholen oder die Sets einfach noch mal angehen. Gemeinsam findet man einen Ansatz und dann sind auch beide wieder zufrieden.

 

Ich möchte euch noch einen weiteren Denkansatz geben. Nacktheit wird von jedem Menschen anders empfunden. Wie oft hört man von Frauen dass sie sich ohne Make Up nackt fühlen. Oder dass einem der Nachbar sagt dass er sich Nackt fühlen würde wenn man ihn weinen sieht. So ist alles ein ganz persönliches Empfinden und keine Kleidung an zu haben bedeutet halt nicht für jeden Menschen auch gleich Nackt zu sein. Und so ist es auch mit Aufnahmesituationen.

Ich habe ein ganz gutes Beispiel dafür. Ein Aktshooting, es läuft super entspannt, es wird gelacht und die Bilder sind der Knaller. Jetzt kommt der Punkt an dem sich das Model auf den Boden legen soll und der Fotograf von oben Fotografiert. Mit einem Mal geht gar nichts mehr, das Model verkrampft und wirkt unsicher, der Fotograf wundert sich was er denn nun nicht hinbekommt. Jetzt versetzt euch mal in die Lage des Models, das Mädel liegt leicht bis gar nicht bekleidet auf dem Boden oder auch auf einem Bett, und nun steht da jemand den man ja nicht wirklich kennt über ihr. In diesem Moment löst das Unterbewusstsein Alarm aus. Wenn das Unterbewusstsein eine Bedrohung wahrnimmt können wir tun und lassen was wir wollen, wir kommen dagegen nicht an. Da gibt es nur eines, Kamera weglegen und Pause machen. Jetzt muss man gemeinsam schauen was passiert ist und dementsprechend Nachjustieren.

Möglichkeiten gibt es genug, zum Beispiel sucht der Fotograf sich eine Perspektive die ihn mit dem Model auf Augenhöhe bringt. Damit ist die empfundene Bedrohung für das Unterbewusstsein entfernt. Oder der Fotograf nimmt etwas mehr Abstand ein etc. etc. Aber bitte niemals die Bilder auf Gedeih und Verderb in den Kasten bringen wollen. Dies untergräbt das Vertrauensverhältnis zwischen den Protagonisten nachhaltig. Und man sieht es auf den Bildern. Guckt euch mal die Bilder an die Frauen ihren Partnern zu Weihnachten schenken. Aktbilder oder Dessousbilder vom Fotostudio in der Stadt. Dann sagt mir bitte auf wie vielen Bildern die Frau entspannt und sie selber ist. Da gibt es sowas wie Vertrauen und gemeinsames Arbeiten nicht. Da ist und muss es halt Geschäft sein. Natürlich sind die Fotografen einfühlsam und vertrauenswürdig, dies würde ich niemals in Abrede stellen. Aber die Kundin möchte die Bilder verschenken und diese werden geliefert, Punkt.

Also, meine Lieben. Wenn ihr feststellt dass die Karre anfängt unruhig zu laufen dann benutzt die Bremse und eure Empathie und versucht nicht weiterhin Gas zu geben. Damit würdet ihr den Motor nur Ruinieren. Innehalten und Fehleranalyse bringt an dieser Stelle wesentlich mehr.

In den nächsten Tagen werde ich euch weitere Möglichkeiten aufzeigen um Stimmungen aufzulockern oder eine Session am Leben zu erhalten.

Bis dahin gibt es ganz starkes Stück Musik auf die Ohren. Es gehört zur Filmmusik eines meiner absoluten Lieblingsfilme. Wenn ich euch sage dass dieser Film die Geburtsstunde von Nathalie Portman als Schauspielerin gewesen ist und eine der grössten Rollen von Jean Reno, dann wisst ihr auch schon welchen Film ich meine.

 

In diesem Sinne, bleibt mir gewogen und allzeit gutes Licht, euer Pixelhunter aka Ulf

P.S. Die Bilder zeigen Janina in einer Session zum ersten Mal ohne Brille und mit einem professionellen Make up von Sandra Sander. Wir haben vorher auch festgesteckt. 😉

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